Gedanken zum Neubau eines Gymnasium in Indersdorf

Gedanken zum Neubau eines Gymnasium in Indersdorf

Gedanken zum Neubau eines Gymnasium in Indersdorf
und dessen Folgen

Hier in Indersdorf entsteht gerade das dritte Gymnasium des Landkreises. Während die bayerische Staatsregierung mit kaum dreißigjähriger Verspätung gegenüber anderen Bundesländern die Vorteile der Ganztagsschule erkennt und nun natürlich als der Weisheit letzter Schluss für die Bildung unserer Kinder und deren Betreuung in einer sich rapide wandelnden Berufs- und Arbeitswelt propagiert, war es durchaus nicht selbstverständlich, in einem Schulbau des 21. Jahrhunderts eine Kantine für so profane Dinge wie die Essensversorgung der Schülerinnen und Schüler unterzubringen - von qualifizierter Betreuung ganz zu schweigen.

Inzwischen wird vernünftigerweise über den Bau einer weiteren Realschule nachgedacht. Aber wird auch darüber nachgedacht, dass die Kommunen zunehmend mit den Folgekosten belastet werden? Werden die Weichen dafür gestellt, zeitgemäße Betreuungs- und Kommunikationsformen für und mit Jugendlichen wie etwa in der mobilen Jugendarbeit als prioritär einzustufen? Zwischen Laptop und Lederhosen gibt es auch in unserem Landkreis eine zunehmende Zahl gewaltbereiter junger Menschen, gibt es eine zunehmende Zahl von Jugendlichen ohne jeden Schulabschluss und damit fast ohne Chance in einer Berufswelt mit ständig steigenden Anforderungen schon an Schulabgänger. Nicht umsonst gehen Gemeinden dazu über, die eigene Jugendarbeit zu intensivieren - und auch hier, das darf nicht verschwiegen werden, teilweise Aufgaben zu übernehmen, die ursprünglich Sache des Trägers sind und bei denen sie kaum Unterstützung von dieser Seite erfahren.

Auch darüber, wie Schüler künftig ins Gymnasium Indersdorf gelangen sollen - also über den zwingenden Ausbau des Busverkehrs beginnt man sich erst jetzt Gedanken zu machen. Wie viel sinnvoller wäre es gewesen, bereits im Vorfeld vermutliche Schüler- und Berufsverkehr-Bewegungen zu bündeln und ein vernünftiges Konzept zu erarbeiten! Hier zeigt sich für mich wieder einmal überdeutlich, dass der Landkreis aufgrund seiner personellen und finanziellen Gegebenheiten, nicht willens und nicht in der Lage ist, vorausschauende Politik zu betreiben, sondern nur noch reagiert, anstatt agiert.

Es scheint in der Tat so, dass mit der Forcierung des Baus der Nord-Ost-Umfahrung, die für Ihre Gemeinde ebenso notwendig ist wie für die Stadt Dachau, die verkehrspolitische Gestaltungskraft des Landkreises erschöpft ist. Die Folgen des Zuzugs in diesem und in anderen Bereichen können wie wir alle wissen, noch so notwendige Straßenbauten längst nicht mehr auffangen. Stichworte wie Verbesserung des MVV''s durch kürzere Taktzeiten, moderne und saubere Züge werden von den Entscheidungsträgern ja noch gerne aufgegriffen. Aber einer Stadt-Umland-Bahn wird nach wie vor mit Scheinargumenten auf Landkreis- und auf Stadtebene nicht einmal die Chance einer Planung eingeräumt. Dabei haben sich inzwischen 50 Gemeinden aus dem Münchner Umland zusammengeschlossen und eine Prüfung auf allen Ebenen erreicht.

Wir leben nicht mehr in Zeiten einer sozialromantisch verklärten Dorfidylle. Wenn wir jetzt nicht die Weichen stellen, ist der Zug in einigen Jahren buchstäblich abgefahren! Hier aktiv ein Stück Zukunft für Stadt und Landkreis mitzugestalten, halte ich für eine der wichtigsten politischen Aufgaben der kommenden Jahre.

Viel diskutiert wurde in der letzten Zeit die Umwandlung der Kreiskliniken in eine AG. Wie Sie wissen, gehöre ich zu deren Befürwortern. Denn moderne Unternehmensformen eröffnen Chancen für eine kostengünstige und Service-orientierte - wenn das Wort im Zusammenhang mit kranken Menschen erlaubt ist - Gestaltung von Abläufen in allen Bereichen zum Wohl der Patienten. Das Aus für die Kurzzeitpflege zeigt allerdings, wohin der Weg gehen soll, den ich nicht mit gehen werde: Die unverhohlene Suche nach Partnerschaften wird hier mit dem Scheinargument des Pflegekräftemangels begründet. Wenn dies der wahre Grund ist, dann ist der Landkreis gefordert, finanzielle Anreize über die Bestimmungen des BAT hinaus zu schaffen; dann ist er gefordert, über die wahrhaft lächerlichen und für die Betroffenen kränkenden Bedingungen bis zur Anerkennung ausländischer Fachkräfte hinaus eigene Wege zu gehen. Dann ist er aber auch gefordert, Aus- und Fortbildung und Wiedereinstieg in dieses immer noch unterbezahlte und mit sehr wenig sozialer Anerkennung versehene Berufsfeld attraktiv zu machen. Populistisch formuliert: Nicht nur etwas vom unverhofften Plus des Landkreises sollte hierhin fließen.

Geradezu ein Trauerspiel ist die Diskussion um die Schaffung einer psychiatrischen Vollversorgung im Landkreis. Entweder ist diese mit unglaublicher Naivität geführt worden oder die Verantwortlichen haben ihren Bürgern von Anfang an Sand in die Augen gestreut. Wie sonst sollen Äußerungen auf Bezirksebene zu verstehen sein, dass Dachau nie als Standort für eine Vollversorgung im Gespräch war? Oder hat man sich letztendlich doch gescheut, ein Tabu-Thema unserer Gesellschaft offensiv aufzugreifen, weil man glaubt, dass auf dem Klinikgelände ein Mensch, der an Depressionen leidet nicht einer geraden schönheitsoperierten Lady begegnen soll?

Ein Zuzugslandkreis wie unserer muss sich aber auch des drängendsten Problems der nächsten Jahre annehmen: Dem eklatanten Wohnungsmangel. In den regionalen Anzeigenblättern wird teilweise gerade mal eine Mietwohnung maklerfrei pro Ausgabe angeboten; in Dachau werden wir ....... Doch ein Bündnis für Wohnen ist auch auf Landkreisebene überfällig. Lassen Sie uns als Freie Wähler auch hier die Initiative ergreifen!

Wenn Arbeitsplätze nicht besetzt werden können, weil Fachkräfte keine bezahlbare Wohnung finden, schadet dies auch der heimischen Wirtschaft - und damit jeder einzelnen Gemeinde, jedem einzelnen Bürger. Wohnraum und Wohneigentum muss geschaffen werden und muss bezahlbar bleiben, auch für Klein- und Mittelverdiener. Dieses Problem können wir nicht aussitzen!

Uns Freien Wählern kommt heute mehr politische Bedeutung zu denn je. Dies mag wie ein Allgemeinplatz klingen, doch lassen Sie mich dies ein wenig verdeutlichen. Unsere Stärke liegt in unserer Unabhängigkeit von landes- und bundespolitischen Vorgaben. Wir konzentrieren unsere Arbeit und unsere Kräfte auf das Geschehen in unseren Gemeinden und in unserem Landkreis - ohne dabei gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge aus dem Blick zu verlieren. Wir müssen uns nicht mit Millionen in Koffern und auf Konten plagen - wir werden vielmehr unmittelbar und sofort an den Folgen unserer Entscheidungen gemessen. Und weil wir nirgendwo eine komfortable Mehrheit haben, haben wir auch keine Chance, uns auf Lorbeeren auszuruhen, die wir uns vielleicht verdient haben.

Wir können Impulse geben, Neues anpacken, Bewährtes erhalten oder weiterentwickeln. Wir können "quer denken" und manchmal vielleicht sogar "quer handeln" - auf neudeutsch innovativ sein. Dies sollten wir im Wahlkampf, der ja bereits angelaufen ist, als unsere Stärke herausstellen. In der Gemeinde und im Landkreis.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Oberbürgermeister Kurt Piller

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