blogparade: shakespeare oder dan brown?

blogparade: shakespeare oder dan brown?

  • was, bitteschön, ist eine blogparade, mag man sich fragen? was es ist, könnt ihr an dieser stelle nachlesen, warum ich es “blogparade” und nicht “blog-parade” oder gar “blog parade” schreibe, sagt euch der herr zwiebelfisch hie und da.

    nachdem dies geklärt wäre, will ich nun zuerst mal dem anhaltspunkt danken, dass er mich (da ich sein blog lese ^^) zu dieser wunderschönen blogparade der guten lilly berry geführt hat.

    nun also zur parade, mit folgenden fragen:

    “Gehört ihr noch zu der Kategorie Bücherwurm oder hat die Multimedia-Welt euch fest im Griff?
    Darf es also ein spannender Roman sein oder eher die abendliche Fernsehserie?
    Herkömmliche Bücher, Ebooks oder Hörbücher?
    Hardcover oder Taschenbuch?
    Bestseller oder Klassiker?
    Sachliteratur oder Belletristik?

    Seht ihr im guten, alten Schmöker eine Zukunft oder werden Bücher kommenden Generationen bald gänzlich fremd sein?
    Habt ihr literarische Vorbilder, Lieblingsautoren- oder -romanfiguren?
    Und was ist das letzte Buch, welches ihr gelesen habt bzw. was lest ihr zur Zeit?”

    ich will die fragen mal so beantworten, da ich schon länger lese:

    an mein erstes buch kann ich mich nicht mehr erinnern, beim besten willen nicht, dafür war ich schlicht zu jung. einige meiner ersten erinnerungen gelten der kleinen raupe nimmersatt und den märchen der brüder grimm und hans christian andersens - klassiker, definitiv. irgendwann, etwas später, las ich die bücher dann selber, noch etwas später wühlte ich mich ein wenig in die bis dahin noch kleine bücherwand, was interessierten mich brecht, böll und hesse? … die zeit schritt ins land, man musste zur schule gehen, die nächste literatur kam auf mich zu - und nicht an alles erinnere ich mich gerne. nicht der bücher wegen - schule ist der umstand, der einem der vergnügen an sonst vergnüglichen dingen nimmt. sobald amüsement verschult wird, gewinnt es einen faden, erzieherischen beigeschmack - und ich kann bis heute keinen film sehen und kein buch lesen ohne auch nur an das analysieren des werkes zu denken. american pie? ich pack mir an den kopf!

    gut, schule wuchs sich aus, das interesse an büchern nicht. bücher, bedrucktes papier, gleichwohl lästig im unterricht, privat ein vergnügen unabhängig von der dicke der umschläge oder des buchrückens. … der weg dahin ging über die klassischen jugendbücher: fünf freunde, tkkg, astrid lindgren, privatdetektiv perry clifton und natürlich - wie sollte es auch anders kommen als kind der generation? - harry potter. harry potter war das resultat einer schulveranstaltung. klassenfahrt, damals, im letzten jahrtausend, es war schon längst dunkel draußen und EIN LEHRER las uns im schein der taschenlampe aus dem ersten band vor. seitdem habe ich jeden teil gelesen und bin vom letzten kapital des letzten buches enttäuscht. zu viele wendungen zuvor hätten ein solches ende verbieten müssen, aber nu.

    mit dem alter wuchsen die ansprüche. neben harry potter kam kai meyer und die welt j. r. r. tolkiens. der kleine hobbit war der anfang, es folgte der herr der ringe (was für ein wälzer!, die einführung über hobbits und pfeifenkraut vergisst man nicht, auch wenn man sie gerne verdrängte) und irgendwie kam noch später das silmarillion dazu. aber fantasy kann ja nicht alles sein, wenn es so viel mehr gibt. okay, star trek ist da kein großer sprung - aber bücher über kinder- und jugendpartizipation sollten einen kontrast bilden. nicht des kontrastes wegen, aber wo die liebe hinfällt … da wächst kein kraut mehr, gell?

    und so findet sich nun in meiner bibliothek (einem großen raumteiler, der nur dank seiner ausgefülltheit des nachts das laternenlicht nicht in mein gesicht fallen lässt) neben bildbänden und reiseführern über irland alte schullektüre (als hitler das rosa kaninchen stahl, nur um mal einen weiteren klassiker zu nennen, erzähler der nacht, um mal etwas unbekannteres, doch auch gutes zu erwähnen) ebenso wie neue sachbücher über politische partizipation, kinderrechte und gleichberechtigung, so steht neben arnaldur indriðasons islandkrimis das nibelungenlied, neben roberto pazzis skurrilen geschichten aus dem vatikan sweet sixteen von birgit vanderbeke, neben einem buch über “mozarts frauen” ein buch über “schwule schurken” (nicht erschrecken bei der site, is was ganz natürliches und normales ^^), dabei mehrheitlich im taschenbuchformat und nur in geringen zahlen mit festem umschlag, neuerdings hardcover geheißen. man merkt: bestseller sind dabei wie auch die großen klassiker - ja, faust gibt es auch, sogar gelesen; schullektüre, was sonst; ebenso die leiden des jungen werthers - und letztlich habe ich dann doch das interesse an brecht, böll und hesse gefunden. … noch schöner allerdings finde ich die bücher, die weder bestseller noch klassiker sind, so kleine schätze wie eben die bücher roberto pazzis oder auch jean-marie mullers “l’evangile de la nonviolence” (zu herrn muller gibt es nur wenig material im internet, bei anares.ch kann man sein buch günstig bestellen, ansonsten ist hier ein text von ihm), zu deutsch in den späten siebzigern als “gewaltlos” erschienen als einzige übersetzung eines seiner werke ins deutsche, das werk eines der ersten französischen kriegsdienstverweigerer, die damals noch dafür rechtlich belangt wurden, ein werk, das die absolute gewaltlosigkeit als kerntugend des christentums sieht und darin - erworben anno 2007 im ajz bielefeld für einen euro - viele gute denkanstöße geliefert hat und noch immer liefert. da brauche ich noch für jahre keines dieser “denkanstöße für anno pustekuchen”-bücher.

    wo sind die hörbücher, mag man sich fragen. ich habe welche, ja, zum geburtstag bekommen, aber ich muss gestehen, nini, ich habe in eines mal reingehört und die cd dann ganz schnell wieder in die kiste gelegt. ich lese lieber selbst, irgendwo, wo man sich nur setzen oder betten kann, also am liebsten mit buch in der hand. ich wollt’, ich könnte sagen, das klo wär’ für die zeitung reserviert, aber dem ist nicht so. sehr gute bücher dürfen sogar mit auf’s klo - aber eben die miserable tageszeitung. e-books? äh, kann sein, dass ich eins oder zwei habe, aber da müsste ich nochmal die genaue bedeutung recherchieren, gleichwohl es seiten mit guten geschichten wie nickstories oder leselupe gibt, die ich des öfteren aufsuche, mal ganz zu schweigen von den definitiv nicht gezählten, wenn auch zählbaren blogs, die sich in meinen lesezeichen tummeln.

    so lange es bücher gibt, wird die welt nicht untergehen. vor dem ende der bücher steht ein großer brand - und zumindest diesbezüglich glaube ich, dass die menschen aus der geschichte lernen können. … ich höre sie schon, die stimmen, die das ende herbei unken, nicht den brand, aber doch eine generation, die bücher nur noch vom hörensagen oder mit negativen assoziationen an die schule kennt, doch noch gibt es sie, die großeltern, die ihren enkeln geschichten erzählen, die eltern, die ihren kindern gute-nacht-geschichten vorlesen, die älteren geschwister, die mit ihren jüngeren geschwistern in bilderbücher gucken anstatt das kind vor den fernseher zu setzen, auf dass es sich davon beschäftigt fühle.

    so lange geschichten erzählt werden, sind die bücher nicht tot. keine html-ausgabe am bildschirm kann den duft nach altem papier, die vergilbten, leicht rauhen seiten ersetzen, kein klick auf “weiter” kompensiert das rauschen und rascheln beim blättern im buch, kein schließen des browsers oder abschalten des e-book-anzeigegeräts ist auch nur annähernd so sinnlich wie das satte plopp eines zugeklappt werdenden buches - und handschriftliche notizen kratzen nur auf papier und hinterlassen dauerhafte spuren. bei einem absturz hebe ich das buch auf. das e-book könnte gelöscht sein. und ein eselsohr, ein knick, ein riss in einer seite - nichts als lebenszeichen. ein buch, nach jahren noch wie neu, wer wollte behaupten, er hätte es gelesen und als ausgang seiner gedanken genutzt?

    das buch wird weiter leben. es wird sich wandeln, sicher, wie es sich schon immer gewandelt hat. es ist wie die zeitung: das internet hat sie nicht verdrängt, das internet hat sie ergänzt, hat sich in die lücken ihrer schwächen gesetzt. verdrängen aber wird das internet weder zeitung noch buch. auf seinem gebiet ist es wie die demokratie: die zweitbeste form in anbetracht der unbekanntheit des optimums.

    mein persönliches optimum … als könnte ich vorbilder benennen, personen, nach deren leben ich meines gestalten will - und dann noch auf den literaturbetrieb beschränkt. ich könnte thea dorn nennen, für ihre bemühungen um die gleichberechtigung, ich könnte roberto pazzi nennen, weil mir sein erzählstil, so märchenhaft, so leicht, so schwebend zwischen wahn und sinn, zusagt, ich könnte paul bäumer aus “im westen nichts neues” nennen und jean-marie muller, “siddhartha” und noch viele andere, die mich mit zu dem gemacht haben, der ich bin - aber einen hervorheben und einen anderen verschweigen, weil ich ihn vergaß oder weil er ein antiheld ist? nein, sie alle hätten es verdient hier zu stehen, weil sie mir einen weg gezeigt haben, jeder für sich einen anderen weg, den ich gehen kann oder nicht, den ich gehen will oder nicht - dagegen ist es fast schon ein leichtes, autoren zu nennen, deren bücher mir sehr zusagen: roberto pazzi, arnaldur indridason, dimitri verhulst, juli zeh, anna politkowskaja, vera keitmeier (geschätzte freundin) - und eben noch viele anderen … es wäre wohl an der zeit eine liste zu beginnen, eine liste der guten bücher, stets bedenkend, das die wertung “gut” immer eine frage des standpunktes ist.

    bliebe noch die frage nach der aktuellen lektüre - ja, ich habe mich immerzu am fragenbogen entlang gehangelt, es war nicht zu übersehen -.- … ich muss gestehen: ich lese nie nur ein buch. mehrere bücher parallel zu lesen, das ist meine welt, alles andere wäre viel zu banal. einfacher ist es dagegen zu sagen, was ich zuletzt ausgelesen habe: lucie klassen: “der 13. brief” (hier auch ihr blog, nochmal), ein krimi, der in bochum spielt, der aber in meiner rangliste nur drei von fünf sternen bekommt, für mehr ist das buch zu vorhersehbar - und das kann auch nicht vom lakonisch-humorvollen erzählstil gerettet werden.

    bevor ich es vergesse: wenn ich die wahl zwischen einem guten buch und einem guten serie habe, dann muss das buch warten - aber es gibt ja so wenige gute serien und noch weniger gute serien, die ich auch gucke. nichts gegen “house”, aber ein guter münsteraner “tatort” lockt mich eher vor den fernseher. “house” und “six feet under” sind und bleiben ein fall für die dvd - schon, weil die originalen englischen dialoge und stimmen eine ganze nummer besser sind als es jede synchronisation sein kann. … zu “anne will” lässt sich gut ein leichtes buch lesen, die besten kommentare kann man immer noch mitschreiben, bei nachrichten lesen sich komödien besonders angenehm - doch gegen spannende fernsehreportagen, sofern es sie noch nicht “on demand” in einer der großen mediatheken der öffentlich-rechtlichen gibt hilft auch kein gutes sachbuch. die sendung kommt womöglich nur einmal und versinkt danach für jahrzehnte in der mottenkiste. papier ist, man verzeihe es mir, geduldig.

    an vorletzter stelle: derzeit am lesen dran bin ich bei: “madame verona steigt den hügel hinab” (dimitri verhulst), “nollops vermächtnis” (mark dunn, mal wieder), “ulysses” (james joyce), “die neue f-klasse” (thea dorn, ebenfalls zum zweiten mal), “das andere geschlecht” (simone de beauvoir). sollte reichen, oder?

    zuletzt: wer noch bei dieser blogparade mitmacht. sebsn, brownsilence, boff, zeitsturz, lazy

    Tags: autoren, blogparade, bücher, klassiker, lesen, literatur, vorbilder
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